Nicht für jeden historischen Gegenstand ist eine denkmalgerechte Restaurierung notwendig. Dies gilt hingegen vermehrt für Unikate mit einem hohen Informationswert.
Außergewöhnliche Gestaltungen sind bereits durch die Verwendung historischer Materialien gesichert, ein unverkrampfter Umgang mit einem hohen Potential an Kreativität führt oft zu interessanten Lösungen - nicht von ungefähr sind wir berufsmäßige Gestalter.
Recht spät haben wir daran gedacht, Beispiele von schönen Wiederverwendungen zu sammeln, nicht immer erhalten wir dazu auch entsprechendes Informationsmaterial. So wird diese Sparte auch für uns eine spannende Entwicklung nehmen, wenn wir von unseren Kunden und Restauratoren passendes Material erhalten.
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... süchtig nach Tadelakt ...
Die Begeisterung nimmt zu diesem wasser-
dichten Spezialputz aus Marokko mit der stumpfen, fantasievollen Oberfläche international zu - kein Wunder, gerade bei Bad und Küche strahlen die Oberflächen eine besondere Wärme aus und sind sehr hautangenehm (Allergiker wissen dies zu schätzen).
Nicht darstellbar ist das ganze gestalte-
rische Füllhorn an Möglichkeiten, die sogar herkömmliche Duschwannen oder Becken ersetzen.
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Das Diktat einer Fliese ist abgelöst durch fliesende Formen, weiche Konturen und eine handwerklich-künstlerische Struktur.
So wurde hier aus einem winzigen Bad
(4 m²) durch Tadelakt mit den Leitfarben Gelb/Rot und pfiffigen Details unter Verwendung historischer Materialien eine kleine Erlebniswelt geschaffen. |
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Nach Entfernung der fast 20jährigen Holz-
verkleidung (!) und der Freilegung des origi-
nalen Terrazzobodens wurden die einzelnen Funktionsbereiche farblich differenziert, eine auberginefarbene Säule nimmt die unver-
meidbare Elektrik auf, interessante Steine werden zu Seifenablagen mit filigranen Tadelakthaltern umfunktioniert, die vom Tageslicht abgewandte Dusche wird über seltene Glasbausteine "erhellt", eine Pflanzenwanne setzt einen Blickfang, eine in Putz eingebettete Darstellung von farbigen Steinen, Versteinerungen und Pfeilspitzen bilden eine Metamorphose...
Jede Tadelaktlösung wird zu einem Unikat. Unsere Ausführenden und der Auftraggeber entwickeln ihre individuellen Lösungen gemeinsam, am Ende steht immer das ganz Besondere!
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... je größer der Heuwagen ...
... desto größer die Scheunentore (...und der Geldbeutel des Bauern), aber jeder dicke Benz ist kleiner als besagter Heuwagen und deshalb verschwinden diese weithin sicht-
baren Merkmale eines Wirtschaftsanbaues - so called Scheune.
Eine ganz seltene Aufgabe für unsere Zimmerleute, Scheunentore zu restaurieren oder wie hier nach Vorbild, neu zu bauen.
Die originalen Langbänder wurden entlackt, die Deckleisten laufen traditionell drüber, das obere Abschlussbrett ist ein typisches regio-
nales Motiv und die Radabweiser halfen dem Bauern, das Hineintreffen bei vollem Karacho zu erleichtern, sollten die Früchte des Feldes doch trocken ankommen. |
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... der letzte Mohikaner ...
Eines der ganz wenigen freistehenden Fotoateliers in Deutschland, vielleicht das Einzige in Süddeutschland, ist das des Kirchheimer "Malers und Fotografen" Otto Hofmann von 1892 mit umfangreicher Originalaustattung, insbesondere mehreren gemalten Leinwänden als Fotokulissen.
Nachdem zuvor Fotografen mit der Kamera auf dem Rücken auf Kundenfang durch die Lande zogen, haben sich erste wagemutige Fotografen wie Hofmann - vor dessen Linse sich u.a. auch Hermann Hesse ("Lulu", petit cénacle) ablichten ließ - mit einfachen Holz-
bauten samt nördlichem Glasdach auf stationäre Abenteuer eingelassen.
Die Rettung dieses Kulturdenkmals stand auf Messers Schneide - fast wie immer.
Zur Realisierung kam es 1999, als wir "Kreisläufer" den drohenden Abbruch gemeinsam mit dem THW durch eine Gebäudetranslozierung ins benachbarte Freilichtmuseum Beuren spendeten, was auch die Bereitschaft vom Förderverein und Landkreis Esslingen zur Kostenübernahme der Restaurierung und Aufstellung im Museum förderte.
Nach der konstruktiven Restaurierung haben wir die Gebäudeteile mit dem Kran "eingeflogen", aufgestellt und mit einer mehr als großzügigen Einhausung für die Folge-
restaurierung wetterfest gemacht. Darunter konnten wir mit viel Geduld die fragile Glasdachkonstruktion aus 3 mm (!) Fensterschlierenglas reparieren.
Inzwischen wurde die herausragende kultur-
geschichtliche Bedeutung dieses Objektes mehr und mehr erkannt, zumal das erhaltene Inventar und die pittoresken Malereien auf Kulissen und Wänden/Decken sich nach der Restaurierung als "Hofmanns Traumland" mit dem Bau verschmelzend eine Einheit bildet. |
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Das Ateliergebäude an der Schwelle von der Malerei zur Fotografie (Hofmann kolorierte und retuschierte seine Fotos von Hand nach) besteht aus dem Vorraum (Windfang), "Cabinett" (Warteraum), Atelier und Dunkel-
kammer samt originalen Einrichtungs-
gegenständen.
Wie um 1900 erzeugt das Nordlicht im Atelier eine wunderbare Atmosphäre, vermitteln originale Studiokamera und gemalte Hintergründe den "Zeitgeist", zeugen die fragilen Vogelbilder von einer pastelligen Transparenz: Handwerk und Kunst, Illusion und technische Raffinesse - der Besucher von weither empfindet im wiederentstandenen Fotoatelier Hofmann im FLM Beuren durchaus die Einmaligkeit einer früheren stationären Berufsfotografie, in dem die Familie Hofamnn fast siebzig Jahre arbeitete.
Der Ausgang dieser Rettungsaktion war offen... aber glücklicherweise fanden sich immer wieder weitsichtige und verantwor-
tungsbewußte Zeitgenossen zum berühmten Zünglein an der Waage. Somit war unser Engagement bei der Transolozierung und Restaurierung Teil eines im nachhinein glücklichen Prozesses, der nur mit Idealisten fortgeführt werden kann.
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Und heute, nach der Eröffnung 2003?
Der Reiz der Fotografie ist ungebrochen, das Atelier steht als Unikat im Mittelpunkt - kein Wunder, es hat nicht seinesgleichen.
In seltenen Ausnahmen wird wieder fotografiert, finde sich Paare, Berufs-
fotografen und Kunstbeflissene u.a. auch Fernsehteams, unter dem pastelligen Vogelmotiv ein.
Die Schwarz/Weiss-Fotografie mit gemalten Retuschen, steifer Haltung und bitterernster Gesichter - sie hat was, war einmalige Kunst, ist nicht beliebig digital reprodu-
zierbar, ist zumindest einen zweiten Blick wert.
So hat sich der Einsatz um das "hart umkämpfte Fotoatelier"
(Teckbote, 01.10.2002) gelohnt. |
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... Einblick, Ausblick, Durchblick ...
Die gibt es bei dieser transparenten Türanlage mit den hochwertigen geschliffenen Gläsern.
Wer mehr Glasanteil bei historischen Türen erwartet, wird enttäuscht sein: mehr gab es früher nicht !
Es gibt dagegen ein ausgewogenes Verhältnis von Glas zur geschlossenen Fläche, es gibt schwungvolle Linien bei Glas und Füllung und es gibt Schnitzwerk und reichhaltige Profile.
Im Raum ist es ein Blickfang, dem Schreiner war es eine Aufgabe und wir haben einen weiteren Kreislauf geschlossen. |
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... schaffa, schaffa ...
... vormals waren es vernarbte und schrun-
dige Dielen, mit Leimspuren der ehemaligen Schreinerei,
eine gezeichnete und durchaus grenzwertige Oberfläche,
- jetzt unter Belassung der vielen Mäkeln, Macken und Mulden ein ausdrucksstarker Vielzweckboden in einer Kreativ-Werkstatt, der weitere Beeinträchtigungen stoisch gelassen nimmt und trotzdem hygienischen Aspekten gerecht wird, hat es doch aus dem gleichem Material zu einem respektablen Tisch gereicht.
Wenn Kreativler eine vorhandene Patina gekonnt mit übriger Ausstattung zu einem Arbeitsambiente verknüpfen, macht das Schaffen samt Essen richtig Appetit ... |
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... alles beieinander ...
Irritationen gibts bei keinem Besucher, bei keinem Postler: hier gehts rein !
Ein schützendes Vordach aus Glas und Metall, Wandleuchte und Ruhebank (für den erwähnten Postler ?!), "geführte" Pflasterung und seitliches Gartentörle, der dezente Blumenschmuck und eine wirkliche Schwelle (wegen der Braut ?!).
Nun stört überhaupt niemand, dass es sich nur um einen Türennachbau nach histori-
schen Merkmalen handelt, unsere Schreiner können auch das.
Addiert man alle Komponenten, so ist dieses Eingangsensemble ein schöner Willkom-
mensgruß nicht nur an den häuslichen Heimkehrer, gell ?! |
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... warum Massivdiele nicht Massivdiele ist ...
... zeigt sich schnell, wenn ein ungeübtes Auge mal länger hinguckt und der Verstand sich dazu einstellt, denn dann würden viele Unsäglichkeiten nicht so ausgeführt wie unkritische Bauleute heutzutage meinen "richtig" auszuführen - und wir meinen immer noch nicht die Krönung aller Unsäglich-
keiten, das Laminat.
Die Bauherrin hat entschieden, die histori-
schen Nadelholzdielen aufarbeiten zu lassen. Das Auge sieht verschieden breite Dielen, im Detail ist die Oberfläche nicht maschinell abgeschliffen = eingeebnet, eine biologische Holzoberfläche mit Öl und Wachs ist selbstverständlich.
Der Verstand weiss, dass historische Dielen-
breiten von heutigen genormten DIN-Breiten abgelöst wurden, dass eine individuelle Pati-
na mit Holzfehlern und Rissen bei Neuholz als Reklamation gelten und dass hell ge-
bleichte Oberflächen trotz moderner Beliebt-
heit die pflegende Hausfrau in ein heilloses Unglück stürzen.
Tja, dann kann man es doch auch so machen. |
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... "Avatar" in der Tiefgarage ...
In Kooperation mit dem beautragten Archi-
tekten wurde die Problemlösung bewältigt, in einer nüchternen Tiefgarage eine hochwertige Oldtimersammlung in einer stimmungsvollen Atmosphäre zu präsentieren. Die denkbar ungeeignete Umgebung mit niedrigen Räumen, ohne Ausblicke, kein Tageslicht, mit schwierigen Sicherheitsaspekten und eine kurzfristige Ausführungsfrist zum Sammeln historischer Baumaterialien und Ausstattungen zum gewählten Thema "Werkstatt um 1920" waren besondere Herausforderungen.
Auf ca. 200 m² präsentieren sich kostbare Exponate in einer anderen Umgebung, die von der Tiefgarage abgetrennt wurde und den geladenen Besucher entführt in eine Welt der Gerüche nach Öl und Leder - und auch dem kurzen Brüllen großvolumiger Motoren. Nach kurzer Zeit fühlt man sich in der Sitzecke bei "Benzingesprächen" heimisch, die andere Welt der Tiefgarage ist vergessen.
Historische Fenster öffnen psychologisch über Beleuchtung und Bildmotive nicht vorhandene Dimensionen, Beleuchtungs-
zonen proportionieren die vormals schlechten Raumverhältnisse und die Grundrisse differenzieren Nischen, Gangzonen, Werkstatt und Sitzbereich.
Alle Ausstattungen wurden restauriert und funktionieren, die Elektrifizierung um 1920 mit Bakelitschaltern und Bleirohren, "Russ" auf "Altputz" und zeittypische Beschläge runden das Ambiente ab, das durch groß-
teilige Bauteile wie alte Backsteinwände, Gusseisenfenster, Natursteinbodenplatten, Werkstatttore bis hin zu Gussheizkörper bestimmt wird.
Ein Großteil der Verarbeitung und der Einbau historischer Materialien erfolgte mit unseren angegliederten spezialisierten Handwerks-
betrieben, die mit alten Rezepturen und Arbeitstechniken im restaurativen Bereich tätig sind.
Das gemeinsame Erarbeiten der Konzeption, die Machbarkeit im engen Zeitkorsett und die Zusammenarbeit mit den beteiligten Spezia-
listen war nicht nur eine Herausforderung, es war für uns auch ein Einbringen in einen dynamischen Prozess, mit allen Beteiligten, der gerade im Museumswesen und der Aus-
stellungsgestaltung eine eigene Sache ist. |
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... auch eine Möglichkeit ...
... eine vom Leben gekennzeichnete und im wesentlichen unrestaurierte Haustüre dem modernen Leben in den intimeren Bereich eines Schlafzimmers zu integrieren.
So wird einem bereits beim morgentlichen Erwachen die irdische Vergänglichkeit klar-
gemacht, oder doch nur die rissige Patina einer Holzoberfläche mit der morgendlichen Patina eines schlaftrunkenen Gesichts verglichen.
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