Nicht für jeden historischen Gegenstand ist eine denkmalgerechte Restaurierung notwendig. Dies gilt hingegen vermehrt für Unikate mit einem hohen Informationswert.
Außergewöhnliche Gestaltungen sind bereits durch die Verwendung historischer Materialien gesichert, ein unverkrampfter Umgang mit einem hohen Potential an Kreativität führt oft zu interessanten Lösungen - nicht von ungefähr sind wir berufsmäßige Gestalter.
Recht spät haben wir daran gedacht, Beispiele von schönen Wiederverwendungen zu sammeln, nicht immer erhalten wir dazu auch entsprechendes Informationsmaterial. So wird diese Sparte auch für uns eine spannende Entwicklung nehmen, wenn wir von unseren Kunden und Restauratoren passendes Material erhalten.
|
|
 |
|
... historische Eichendielen ...
Kauft man ein Auto, fährt man "Probe". Wohin die Reise mit unserem "Mercedes" unter den Bodendielen führt, mussten wir zeigen und so kann man am zimmergroßen Modell schnell erkennen, ob einem der Mercedes oder doch eher ein Lada liegt.
Zugegeben: Die Vorstellungskraft wird ganz schön strapaziert, steht man vor einem Stapel zwar sortierter und gereinigter Bretter und muss sich vorstellen, welche Kraft und Authenzität ein fertiger Boden dann in diesem Preissegment hat.
Eiche ist unvergleichlich, (ur-)alte Eiche ist phänomenal, wir gebens zu - wir sind Fans und finden uns im Gespräch mit Kunden und Handwerker (Hand-Werker!) über die Schönheit eines einzelnen Brettes wieder.
Der Boden behält seine ehrliche Patina, erzählt seine Geschichte, prahlt mit der Ma-
serung, versteckt nicht die Narben und Risse und ein Nagelloch, ein Astgeflecht billigt ihm sein oft mehrhundertjähriges Alter zu.
Natürlich ist er barfußgeeignet, frei von chemischen Stoffen, durch und durch massiv und unverleimt, die Nutzoberfläche über der konstruktiven Feder für mehr als 200 Jahre Abnutzung gut - unter Garantie!
Ein Individuum und jeder Boden ein Unikat - daher ists auch so schwierig, diesen Gesellen in Gänze zu präsentieren.
Mit dem Musterboden haben wir nach historischem Vorbild einen sog. quadrierten Boden - Flächen mit Friesrahmung - ausgewählt. Zu einem späteren Raum werden im Anschluss an die Friese bis zur Wand Ausgleichsdielen gelegt, der historische Boden wird zur "Insel".
Damit ist jeder Ausgleich möglich.
Die Größe ist 335 x 440 cm, Massivstärke 25 mm. Nach historischer Vorgabe wird die "Insel" verlegt, indem ausgleichende Anschlußdielen an (meist krumme) Wände den Ausgleich bringen und damit das Bodenthema betonen.
In der Fläche liegen unterschiedlich breite Dielen (bis 37 cm), tw. konisch geschnitten. Die dunkeltabakbraune Farbe ist natürlich, einem Wandlungsprozess der Eichenlohe geschuldet und das Beste an uralter Eiche.
Die Friese sind aus "nur" 20 Jahre alter Eiche, mit klassischem Kreuzstoß und setzen dem Ganzen das Sahnehäubchen auf, der helldunkle Kontrast bringt eine Portion Eleganz in das Erscheinungsbild.
Das Beschriebene gilt für unsere anderen Chargen historischer Eichendielung - mit und ohne Fries. Der Liebhaber dieser Unikate kann bei uns letzte Zweifel ausräumen, Fragen stellen, anfassen, lotet die eigene Toleranzgrenze aus - wir helfen gerne.
|
1  |
|
 |
|
... Kreuzstockfenster nach 1650 ...
So war es immer - ein Loch in der Fassade bedarf eines Fensters, auch heute noch.
Unterlag früher die Gliederung und Gestaltung der technisch möglichen Glas-
herstellung (kleinteilige Gläser wurden zusammengefügt), so haben wir heute fast unbegrenzte Möglichkeiten.
War früher das Fenster hohes handwerk-
liches Können und traditionelles Gestal-
tungsmittel, so haben wir heute trotz aller Voraussetzungen kaum zu überbietende Banalitäten.
Hier haben wir ein über 350 Jahre altes, gebrauchsfähiges Fenster, heute stopfen wir 30-jährige Fenster als Verschleissartikel in die Tonne und reden fleissig über positive Ökobilanz.
Völlig intakt (nötige Holzreparaturen sind einfach), komplett erhaltene Mondgläser mit Verbleiung, vorhandene Originalbeschläge und ein Zeugnis hoher, repräsentativer Fensterbaukunst - führt uns die moderne Unzulänglichkeit vor Augen, in einer Zeit der bezuschussten Wegwerfmentalität.
|
2  |
|
 |
|
... round 'n round ...
... wenn der Miesl mit der Liesl in höhere Gefilde aufsteigen will, braucht es eine Treppe ...
z.B. eine solch' schöne, wie wir sie gerne öfters hätten.
Nicht zu groß, filigran wirkend durch ornamental durchbrochene Wangen und Steller, ein metallenes Röslein am Geländer - perfekt für eine Nebentreppe, die mitthin als "Möbel" Raumakzente schafft und dem Miesl und der Liesl fürderhin viel Freude bereitet ...
... uns auch, denn siehe da, mit dem Kreislaufgedanken kreist man treppauf stets höheren Gefilden entgegen! |
3  |
|
 |
|
... je größer der Heuwagen ...
... desto größer die Scheunentore (...und der Geldbeutel des Bauern), aber jeder dicke Benz ist kleiner als besagter Heuwagen und deshalb verschwinden diese weithin sicht-
baren Merkmale eines Wirtschaftsanbaues - so called Scheune.
Eine ganz seltene Aufgabe für unsere Zimmerleute, Scheunentore zu restaurieren oder wie hier nach Vorbild, neu zu bauen.
Die originalen Langbänder wurden entlackt, die Deckleisten laufen traditionell drüber, das obere Abschlussbrett ist ein typisches regio-
nales Motiv und die Radabweiser halfen dem Bauern, das Hineintreffen bei vollem Karacho zu erleichtern, sollten die Früchte des Feldes doch trocken ankommen.
|
4  |
|
 |
|
... neuer Tisch im alten Gewand ...
Jeder Tisch ist ein Unikat, eng mit den Kundenvorstellungen und Holz-
möglichkeiten verbunden.
Wir bieten dazu mit unseren dafür ausgesuchten historischen Hölzern eine gute Basis hier eigene, beson-
dere Wege zu gehen.
Gerne beraten wir dazu, vermitteln die richtigen Handwerker - dies aber nur hier bei uns.
Dieser Tisch beim 1. Beispiel domi-
niert in einer klar definierten Fläche mit dem eingelegten Mittelfries im Kontur-
schnitt, die Oberfläche ist klassisch eben, glatt.
Beim 2. Beispiel mit einer Länge von 275 cm behalten 200jährige Eichen-
bohlen ihre Kontur, zeigen Verlet-
zungen und Verwachsungen, die altersgebeizten Eichenbohlen kontras-
tieren mit ihrem ebenholzähnlichen Schwarz mit der helleren Eichen-
einlage.
|
5  |
|
 |
|
... der letzte Mohikaner ...
Eines der ganz wenigen freistehenden Fotoateliers in Deutschland, vielleicht das Einzige in Süddeutschland, ist das des Kirchheimer "Malers und Fotografen" Otto Hofmann von 1892 mit umfangreicher Originalaustattung, insbesondere mehreren gemalten Leinwänden als Fotokulissen.
Nachdem zuvor Fotografen mit der Kamera auf dem Rücken auf Kundenfang durch die Lande zogen, haben sich erste wagemutige Fotografen wie Hofmann - vor dessen Linse sich u.a. auch Hermann Hesse ("Lulu", petit cénacle) ablichten ließ - mit einfachen Holz-
bauten samt nördlichem Glasdach auf stationäre Abenteuer eingelassen.
Die Rettung dieses Kulturdenkmals stand auf Messers Schneide - fast wie immer.
Zur Realisierung kam es 1999, als wir "Kreisläufer" den drohenden Abbruch gemeinsam mit dem THW durch eine Gebäudetranslozierung ins benachbarte Freilichtmuseum Beuren spendeten, was auch die Bereitschaft vom Förderverein und Landkreis Esslingen zur Kostenübernahme der Restaurierung und Aufstellung im Museum förderte.
Nach der konstruktiven Restaurierung haben wir die Gebäudeteile mit dem Kran "eingeflogen", aufgestellt und mit einer mehr als großzügigen Einhausung für die Folge-
restaurierung wetterfest gemacht. Darunter konnten wir mit viel Geduld die fragile Glasdachkonstruktion aus 3 mm (!) Fensterschlierenglas reparieren.
Inzwischen wurde die herausragende kultur-
geschichtliche Bedeutung dieses Objektes mehr und mehr erkannt, zumal das erhaltene Inventar und die pittoresken Malereien auf Kulissen und Wänden/Decken sich nach der Restaurierung als "Hofmanns Traumland" mit dem Bau verschmelzend eine Einheit bildet. |
|
 |
|
Das Ateliergebäude an der Schwelle von der Malerei zur Fotografie (Hofmann kolorierte und retuschierte seine Fotos von Hand nach) besteht aus dem Vorraum (Windfang), "Cabinett" (Warteraum), Atelier und Dunkel-
kammer samt originalen Einrichtungs-
gegenständen.
Wie um 1900 erzeugt das Nordlicht im Atelier eine wunderbare Atmosphäre, vermitteln originale Studiokamera und gemalte Hintergründe den "Zeitgeist", zeugen die fragilen Vogelbilder von einer pastelligen Transparenz: Handwerk und Kunst, Illusion und technische Raffinesse - der Besucher von weither empfindet im wiederentstandenen Fotoatelier Hofmann im FLM Beuren durchaus die Einmaligkeit einer früheren stationären Berufsfotografie, in dem die Familie Hofmann fast siebzig Jahre arbeitete.
Der Ausgang dieser Rettungsaktion war offen... aber glücklicherweise fanden sich immer wieder weitsichtige und verantwor-
tungsbewußte Zeitgenossen zum berühmten Zünglein an der Waage. Somit war unser Engagement bei der Translozierung und Restaurierung Teil eines im nachhinein glücklichen Prozesses, der nur mit Idealisten fortgeführt werden kann.
|
|
 |
|
Und heute, nach der Eröffnung 2003?
Der Reiz der Fotografie ist ungebrochen, das Atelier steht als Unikat im Mittelpunkt - kein Wunder, es hat nicht seinesgleichen.
In seltenen Ausnahmen wird wieder fotografiert, finden sich Paare, Berufs-
fotografen und Kunstbeflissene u.a. auch Fernsehteams, unter dem pastelligen Vogelmotiv ein.
Die Schwarz/Weiss-Fotografie mit gemalten Retuschen, steifer Haltung und bitterernster Gesichter - sie hat was, war einmalige Kunst, ist nicht beliebig digital reprodu-
zierbar, ist zumindest einen zweiten Blick wert.
So hat sich der Einsatz um das "hart umkämpfte Fotoatelier"
(Teckbote, 01.10.2002) gelohnt. |
6  |
|
 |
|
... Einblick, Ausblick, Durchblick ...
Die gibt es bei dieser transparenten Türanlage mit den hochwertigen geschliffenen Gläsern.
Wer mehr Glasanteil bei historischen Türen erwartet, wird enttäuscht sein: mehr gab es früher nicht !
Es gibt dagegen ein ausgewogenes Verhältnis von Glas zur geschlossenen Fläche, es gibt schwungvolle Linien bei Glas und Füllung und es gibt Schnitzwerk und reichhaltige Profile.
Im Raum ist es ein Blickfang, dem Schreiner war es eine Aufgabe und wir haben einen weiteren Kreislauf geschlossen. |
7  |
|
 |
|
... schaffa, schaffa ...
... vormals waren es vernarbte und schrun-
dige Dielen, mit Leimspuren der ehemaligen Schreinerei,
eine gezeichnete und durchaus grenzwertige Oberfläche,
- jetzt unter Belassung der vielen Mäkeln, Macken und Mulden ein ausdrucksstarker Vielzweckboden in einer Kreativ-Werkstatt, der weitere Beeinträchtigungen stoisch gelassen nimmt und trotzdem hygienischen Aspekten gerecht wird, hat es doch aus dem gleichem Material zu einem respektablen Tisch gereicht.
Wenn Kreativler eine vorhandene Patina gekonnt mit übriger Ausstattung zu einem Arbeitsambiente verknüpfen, macht das Schaffen samt Essen richtig Appetit ... |
8  |
|
 |
|
... alles beieinander ...
Irritationen gibts bei keinem Besucher, bei keinem Postler: hier gehts rein !
Ein schützendes Vordach aus Glas und Metall, Wandleuchte und Ruhebank (für den erwähnten Postler ?!), "geführte" Pflasterung und seitliches Gartentörle, der dezente Blumenschmuck und eine wirkliche Schwelle (wegen der Braut ?!).
Nun stört überhaupt niemand, dass es sich nur um einen Türennachbau nach histori-
schen Merkmalen handelt, unsere Schreiner können auch das.
Addiert man alle Komponenten, so ist dieses Eingangsensemble ein schöner Willkom-
mensgruß nicht nur an den häuslichen Heimkehrer, gell ?! |
9  |
|
 |
|
... warum Massivdiele nicht Massivdiele ist ...
... zeigt sich schnell, wenn ein ungeübtes Auge mal länger hinguckt und der Verstand sich dazu einstellt, denn dann würden viele Unsäglichkeiten nicht so ausgeführt wie unkritische Bauleute heutzutage meinen "richtig" auszuführen - und wir meinen immer noch nicht die Krönung aller Unsäglich-
keiten, das Laminat.
Die Bauherrin hat entschieden, die histori-
schen Nadelholzdielen aufarbeiten zu lassen. Das Auge sieht verschieden breite Dielen, im Detail ist die Oberfläche nicht maschinell abgeschliffen = eingeebnet, eine biologische Holzoberfläche mit Öl und Wachs ist selbstverständlich.
Der Verstand weiss, dass historische Dielen-
breiten von heutigen genormten DIN-Breiten abgelöst wurden, dass eine individuelle Pati-
na mit Holzfehlern und Rissen bei Neuholz als Reklamation gelten und dass hell ge-
bleichte Oberflächen trotz moderner Beliebt-
heit die pflegende Hausfrau in ein heilloses Unglück stürzen.
Tja, dann kann man es doch auch so machen. |
10  |
|
 |
|
... Avatar in der Tiefgarage...
In Kooperation mit dem beautragten Archi-
tekten wurde die Problemlösung bewältigt, in einer nüchternen Tiefgarage eine hochwertige Oldtimersammlung in einer stimmungsvollen Atmosphäre zu präsentieren. Die denkbar ungeeignete Umgebung mit niedrigen Räumen, ohne Ausblicke, kein Tageslicht, mit schwierigen Sicherheitsaspekten und eine kurzfristige Ausführungsfrist zum Sammeln historischer Baumaterialien und Ausstattungen zum gewählten Thema "Werkstatt um 1920" waren besondere Herausforderungen.
Auf ca. 200 m² präsentieren sich kostbare Exponate in einer anderen Umgebung, die von der Tiefgarage abgetrennt wurde und den geladenen Besucher entführt in eine Welt der Gerüche nach Öl und Leder - und auch dem kurzen Brüllen großvolumiger Motoren. Nach kurzer Zeit fühlt man sich in der Sitzecke bei "Benzingesprächen" heimisch, die andere Welt der Tiefgarage ist vergessen.
Historische Fenster öffnen psychologisch über Beleuchtung und Bildmotive nicht vorhandene Dimensionen, Beleuchtungs-
zonen proportionieren die vormals schlechten Raumverhältnisse und die Grundrisse differenzieren Nischen, Gangzonen, Werkstatt und Sitzbereich.
Alle Ausstattungen wurden restauriert und funktionieren, die Elektrifizierung um 1920 mit Bakelitschaltern und Bleirohren, "Ruß" auf "Altputz" und zeittypische Beschläge runden das Ambiente ab, das durch groß-
teilige Bauteile wie alte Backsteinwände, Gusseisenfenster, Natursteinbodenplatten, Werkstatttore bis hin zu Gussheizkörper bestimmt wird.
Ein Großteil der Verarbeitung und der Einbau historischer Materialien erfolgte mit unseren angegliederten spezialisierten Handwerks-
betrieben, die mit alten Rezepturen und Arbeitstechniken im restaurativen Bereich tätig sind.
Das gemeinsame Erarbeiten der Konzeption, die Machbarkeit im engen Zeitkorsett und die Zusammenarbeit mit den beteiligten Spezia-
listen war nicht nur eine Herausforderung, es war für uns auch ein Einbringen in einen dynamischen Prozess, mit allen Beteiligten, der gerade im Museumswesen und der Aus-
stellungsgestaltung eine eigene Sache ist. |
11  |
|
 |
|
... ein Händedruck ...
"Haustüren sind wie ein Händedruck. Man weiß bei der ersten Begegnung, mit wem man es zu tun hat und was einen erwartet."
Dies schreibt kein geringerer als Dieter Wieland. Und vielen seinen feinfühligen Erkentnissen ist nichts hinzuzufügen.
Diese Restaurierung stellte sich infolge massivem Schädlingsbefall als aufwendiger heraus als vorher erkennbar. Die konstruktiven und auch ornamentalen Eingriffe stellten an den Restaurator eine Herausforderung dar.
Herausgekommen ist ein ehrlicher, kräftiger Händedruck, ein gut sichtbares Zeichen einer Eingangssituation, ein persönliches Wiedererkennen, ein tägliches Erlebnis beim Heimkommen, weit weg vom modernen Einerlei.
Hat sich dieses Engagement nicht gelohnt?! |
12  |
|
 |
|
... als uns ein Riesentor zulief ...
... waren wir zunächst über den desolaten Zustand erschrocken, bis sich dann Martin in seiner gänzlich unerschrockenen Art dem Ungetüm widmete.
Die beiden fanden in einer besonderen Art von Haßliebe zueinander: das Tor gab Stück für Stück immer weitere Schäden preis, Martin beim durchgefaultem handgeschmied-
ten Nagel Nr. 198 wurde zwar verbissener, aber fand dann - wie er meinte eindeutige (!) - Spuren am Tor, wo Martin Luther seine Thesen angenagelt hätte.
Diese epochale Entdeckung beflügelte sein weiteres Würken - pardon Wirken - und allabendlich versöhnte er sich sowohl anhand der Fortschritte am Tor und als auch mit einem "Tannenzäpfle" (für Nichteingeweihte eine Biermarke).
Mittlerweile verstummte jeder Spötter, die Ausstrahlung dieses ehrwürdigen Oldtimers gewann zusehends unter seinen kundigen Händen und wie häufig strahlte der Restaurator mit seinem Werk um die Wette.
Die beiden nach der Fertigstellung zu trennen war problematisch, aber so ist es wohl, bei Haßliebe ...
|
13  |
|
 |
|
... auch eine Möglichkeit ...
... eine vom Leben gekennzeichnete und im wesentlichen unrestaurierte Haustüre dem modernen Leben in den intimeren Bereich eines Schlafzimmers zu integrieren.
So wird einem bereits beim morgentlichen Erwachen die irdische Vergänglichkeit klar-
gemacht, oder doch nur die rissige Patina einer Holzoberfläche mit der morgendlichen Patina eines schlaftrunkenen Gesichts verglichen.
|
14  |
|
 |
|
... ob denn positive Einflüsse wirken? ...
Das Brett diesmal nicht vor dem Kopf, sondern darüber hält gerne Einzug in den ganz persönlichen Bereich.
Wie hier schön in Szene gesetzt bekommt ein "zerrupftes" Brett eine besondere Bedeutung, die vermut-
lich bislang von der Schlafforschung in der ganzen Tragweite noch nicht erkannt wurde.
Wir werden versuchen, besonders analytisch vorzugehen und eine kleine Auswahl an ver-
schiedenen Brettern aus unserem Bestand zu "beschlafen". Wir berichten über Vorzüge/ Nachteile von Nadelholz, Eichenholz, rissi-
ges oder glattes Holz, lackiert oder roh ... |
15  |
|
 |
|
... mit königlichem Spiel ...
... wird das strategische Schachspiel aus dem 6.Jhd. aus dem Persischen übersetzt, für heutige Schwaben ("Wir können alles - außer Hochdeutsch") eine Selbstverständ-
lichkeit in der Küche, wo die lockere Haus-
frau während des Spätzlesschabens einen "Schwarzen Angriff am Damenflügel" mit der Nachbarin zelebriert.
Was hat der tiefere Blick in schwäbische Gepflogenheiten mit uns Kreisläufern zu tun?
Eine dieser "lockeren" Damen (s.o.) hat nach anfänglicher Skepsis abgebildete Saarländer Platten bei uns erworben, eine umfängliche Reinigung bei anhaltender Skepsis unternommen und diesselben dann verlegt - anscheinend durfte der Gatte helfen.
Da die Skepsis in Begeisterung umschlug und wir eines Tages im Briefkasten diese Sinneswandlung vorfanden, wollen wir an-
deren Skeptikern damit Mut machen und freuen uns über diese positive Resonanz. |
16  |
|
 |
|
... Ruß, Kreide, Leim ...
Der Eigentümerin zur Überraschung, dem Architekten zur Freude, dem Restaurator zur Aufgabe: unter einem jüngeren Deckentäfer verbarg sich die entstehungszeitliche Boh-
lenbalkendecke von 1682 mit gebeilten Eichenbalken und Nadelholzbrettern in den Nuten.
Eine starke Verrußung verdeckte die weisse einzige flächig nachzuweisende Farbfassung (1), wobei der Kollege Restaurator in 5 Reini-
gungszyklen (2) dem Ruß zuleibe rückte, damit das eigentliche Schadensbild beurteilt werden konnte: Pilze infolge Feuchte, Frassschäden durch anobium punctatum, Risse und nicht mehr intakte Kittungen, abgebeilte Teilflächen - sehr unansehnlich.
In Zusammenarbeit mit dem LDA wurde das Restaurierungsziel formuliert: Festigung, partielle Ergänzung, reversible Kittungen nach spezieller Rezeptur (3), Farbauftrag nach historischem Vorbild, deckend mit hohem Kreideanteil, matt und vor allem re-
versibel.
Soweit der überschaubare Aufgabenbereich, der wie immer nicht konfektionierbar in Mus-
terflächen, Arbeits- und Rezepturproben substanzschonend unter interdisziplinärer Beteiligung weiter entwickelt wurde.
Das Ergebnis (4) stellte sowohl die Denkmalschützer als auch den Architekten zufrieden und die Eigentümerin hat hier ein besonderes Juwel der Nachwelt erhalten.
Und der Restaurator?
Super Leistung, klar ! Und er hat noch ein paar Tricks auf Lager, noch ein paar Rezep-
turen aus der Hexenküche ... |
17  |
|
 |
|
...Fenster-ein schwieriges Thema...
Beim unverändert anhaltenden Moderni-
sierungswahn und vielen Energiedebatten bleiben immer die Fenster auf der Strecke.
Die Fragen nach sinnvoller Aufrüstung des Bestandes zur Energieeinsparung kann fast immer zum Bestandserhalt führen.
Diesen Fragen wird im Allgemeinen nicht nachgegangen, die historischen Fenster werden ersetzt und nun kommt die Frage: was tun damit?
Wir bauen hin und wieder einfache Vitrinen daraus, freuen uns an den alten Beschlägen und am Schlierenglas und warten auf weitere, auch bessere Vorschläge ... |
18  |
|
 |
|
... ein echter Hingucker ...
oder wie die Kollegen aus der Werbe-
branche dies auch eyecatcher nennen
- ist diese schöne Gestaltung eines Archi-
tektenkollegen, der unsere historische Haus-
türe gekonnt inszeniert in eine lichte, farbige, moderne Umgebung gesetzt hat.
Beide Gegensätze sind ausreichend eigen-
ständig und finden nur über eine transparente Glasanbindung zueinander.
Diese Haustüre ist gleichzeitig Exponat und Unikat und zeugt vom Stilempfinden der Bewohner.
Versehen mit heutigen Belangen aus Wärme- und Schalldämmung sowie Ein-
bruchsicherheit macht dieses schöne Beispiel richtig Lust, weitere Hingucker anzugehen und die Tauglichkeit auch in wirtschaftlicher Hinsicht unter Beweis zu stellen.
Es ist halt wie immer:
wenn sich Kreativler anstrengen... |
19  |
|
 |
|
... verborgene Schönheiten ...
Unter x-Farbschichten verbergen sich häufig Beschläge mit ganz speziellen Oberflächen.
Entweder sind die Herstellungsspuren der Schmiede- oder Gussspuren erkennbar oder es findet sich eine veredelte Beschichtung durch Zinn o.ä. wieder.
Nach der Farbentfernung - nicht sandstrahlen(!) - offenbart sich die verborgene Schönheit, bekommt der Restaurator zu seiner Türe die stilistisch passenden Beschläge und greift für die Befestigung ganz sicher nicht zu Spaxschrauben.
So kann auch eine passende Replika im historischen Duktus im Einzelfall hilfreich sein; feine Details runden immer das Gesamtergebnis wohltuend ab. |
20  |
|
 |
|
... alt bleibt alt ...
Bei der Translozierung dieser Treppe ähnelt das Vorher dem Nachher so sehr, dass wir unsere Treppe - vor der Bergung fotografiert - nur dem üblichen Gerümpel eines Abbruchhauses hätten zuweisen können.
Die Brauerei gibts nicht mehr, kein Brau-
meister stapft zur Maischkontrolle mehr hoch.
Witzig ist jedoch: unser Kunde ist Whiskykenner, ein Flaschenlager unter der Treppe ist hier kein Gerümpel, ein gelegentlicher Muttropfen vor dem Anstieg mittels besagter Treppe muss also Teil einer sorgsamen Planung sein.
Diese steile Eichentreppe hilft dem somit wohl Betropften mit den schönen Originalgeländern gegen etwaige verfrühte Abwärtstendenzen - was letztlich wieder beim gut sortierten Flaschenlager endet.
... alles Beste für den nächsten Versuch ... |
21  |
|
 |
|
wir schreiben das Jahr 1682 n.Chr..
und in einem Dorf hat sich eine archaische Keilstufentreppe als Haupttreppe erhalten, vom Alter gebeugt und eingesunken, ein-
zelne Tritte aus der Verbindung gelöst und die Tragbalken in unterschiedlicher Auflö-
sung begriffen.
Das Hauptproblem: die Auftrittsfläche ist für die heutige Schuhgröße 42 + XXL zu gering, treppab war höchste Konzentration gefordert.
Die holztechnische Instandsetzung war vom Zimmermann übliches restauratorisches Tag-
werk, die Verwendung von Alteiche beim Ein-
setzen
partieller Vierungen obligatorisch.
Anspruchsvoll waren die rückseitigen Auf-
dopplungen mit dem Anspruch viel Substanz zu erhalten, war doch damit das Auftritts-
problem zu lösen. Das Herstellen von Holz-
nägeln zum Fixieren der Tritte an den Trag-
balken war das konstruktive i-Tüpfele, bis dann die Oberflächenbearbeitung, das farb-
liche Zusammenbinden der unterschiedlichen Hölzer zum begeisternden Gesamtbild führte.
Diese urtümliche Treppe konnten wir erhalten, modernen Sicherheitsaspekten gerecht werden und eine weitere Seele des Hauses herausschälen. |
22  |
|
 |
|
... treppauf, trepp ab ...
Eine weitere, diesmal spätbarocke, mehrgeschössige Treppenanlage mit Repräsentationscharakter war unansehlich unter Farbschichten und Trittabdeckungen verborgen, teilweise abgesackt mit der Folge gelöster Holzverbindungen und wackelnder Geländerstäbe.
Das Knarzen der Stufen war erbärmlich, die verklebten Teppiche schützten zumindest die Trittflächen, Klebeentfernung und Reinigung war jedoch sehr aufwendig.
Der Restaurator ergänzte fehlende Holzteile, verkittete kleine Ausbrüche und Löcher, die dunklen Oberflächen wurden gereinigt, retuschiert und mit einer dünn aufgetragenen Schelllackmattierung regeneriert.
Die Setzstufen - durch Abnutzung stark abgerieben - wurden mittels Retusche in das Umfeld eingebunden, die Tritte mit Öl und Wachs behandelt.
Die ausgetretenen Tritte, die gesägten Brettstaketen und die mächtigen Pfosten geben der Anlage wieder die altehrwürdige Erscheinung zurück und zeugen von der kundigen Hand des Restaurators.
|
23  |
|
 |
|
... dem Zimmerer zur Freude ...
Soviel wurde bereits darüber geschrieben und ausprobiert, soviel wird am historischen Fachwerk weiter falsch gemacht - uns drängt es, dem willigen Bauherrn Infos für seine Entscheidungen zu geben, der Zimmerer-
restaurator (...und nur der versierte Restau-
rator !) weiß es ohnehin.
1
Abgefaulte Zierelemente werden nach Vorbild nachgeschnitzt, soviel Geld muss sein, gespart wird an anderer Stelle.
2
Das Fachwerk wird gebürstet, gereinigt und mindestens im Gefach geölt - eine beliebte Bauherrentätigkeit im Kreise seiner lieben Freunde. Unter den Dreikant-(Trapez)-Leisten dichtet der in Leinöl getränkte Hanfstrick dauerhaft und zuverlässig alle Spalten ab.
3
Die Leisten werden schräg genagelt oder besser noch ordentlich verschraubt, sonst öffnet sich beim Trocknen wieder ein Spalt.
4
Normale Gefache füllt man mit Mörtel und Lehmsteinen, das Profil der Leisten wird ausgezwickt.
5
Kleine Gefache werden mit Lehmmörtel und Lehmsteinen gefüllt, der Mörtel dient als 2. Dichtungsebene, wird aber entlang der Fachwerkkante wieder ca. 2 cm ausgekratzt.
6
Die Mauerfugen liegen ca. 1 cm hinter der Mauerkante. Somit ist nach der Trocknung alles bestens für den Gefachputz vorbereitet, der auch zum Holz die Möglichkeit hat, mit Volumen in die 2 cm Spalte (siehe 5) einzubinden.
7
Vor dem Putz erfolgt jedoch der Holzan-
strich in vorgeschriebenen Schritten, der verhindert, daß Putzverunreinigungen porentief ins Holz eindringen; hat doch das Bürsten des Holzes manch liebe Freund-
schaft gekostet (siehe 2). Nach dem Ver-
putzen ist die gestrichene Oberfläche ein-
facher zu reinigen und erhält wie der getrocknete Putz den Schlußanstrich, manchmal mit Zierbegleiter.
Ist dem willigen Bauhhern bis hierhin klar geworden, daß einschließlich Trocknungszeiten hier mit erheblichem Zeitaufwand und Gerüststandzeiten zu rechnen ist? Dem Zimmererrestaurator wars ohnehin klar. Er würde auch nicht mehr im September mit der Fassade anfangen.
So ähnlich läuft es im Prinzip ab und wenn man jetzt neben diesem Standardprogramm auf die steten Details und Besonderheiten einginge, wird es zu umfangreich - aber das weiß ja der Restaurator, weil der eine spe-
zielle Ausbildung und spezielle Erfahrungen hat. |
24  |
|
 |
|
... wagemutig oder nur gut informiert? ...
So schreibt Dieter Wieland in seinem Klassiker "Bauen und Bewahren auf dem Lande" zum Thema "Dach":
"Wieviel Leben in der alten Biberschwanz-
deckung steckt; keine Fläche bleibt unbelebt beim alten Haus. Dachhaut, sagten sie früher. Jeder Ziegel mit der Hand geformt. Mit den Spuren der Hände. Wer noch so ein Dach hat, sollte Ersatzziegel sammeln, wenn anderswo umgedeckt werden muss. Und Ortsvorschriften sollten verhindern, dass solche Schätze in die Müllgrube gekippt werden."
Das war 1978!
Heute gibts wieder flächendeckende Erhal-
tungsvorschriften, heute sind die handge-
strichenen Biberschwanzdächer rar geworden und der Drang des Eigentümers ungebrochen, endlich eine Neueindeckung vorzunehmen, "Dachziegel ... auf hundertstel Millimeter plan gepresst und exakt gleich groß geschnitten. Ihre Oberfläche ist so glatt gewälzt und makelos, dass sich auch nach 20 Jahren noch kein Moos und keine Flechte ansetzt", schreibt Dieter Wieland.
Nun mehren sich die Nachrichten bei uns, dass die - sagen wir 1978 - mit neuen Bibern eingedeckten Dächer dringend saniert werden bzw. müssen. Nun ist der Markt bis auf ganz wenige Anbieter geschrumpft, die Preise und Qualität konkurrenzlos vermitteln. Man müsste hellhörig werden:
die Verlustintervalle werden kürzer, es läuft darauf hinaus, dass jede Generation das Dach neu zu decken hat.
Nun müsste man sich informieren, erneut hellhörig werden. Wir wissen um Biber-
schwanzdächer, die unangetastet seit dem 14. Jh. in situ die "Dachhaut" bilden, alte Beispiele gibt es. Wie kommt es, dass handgestrichene Biber Stürme wie "Lothar", Kriege und agressive Luft scheinbar unbeschadet überstehen?
Die Selektion hat vor Jahrhunderten stattgefunden - schlechtes Material, schlechte Brände wurden längst ausge-
wechselt. Übrig geblieben sind bei bau-
physikalisch richtigen Bedingungen die "Guten", unvergleichlich resistent durch eine Versinterung der Haut.
"Wir werfen sie weg", was Dieter Wieland bereits vor 33 Jahren bedauerte. Aber dafür erkennen immer mehr Gutinformierte die besondere Lebendigkeit und Qualität der historischen Ziegel.
Wir arbeiten gerne mit Gutinformierten zusammen, wir freuen uns auf Referenzen, z.B. dem Simonettihaus in Sachsen-Anhalt, oder dem Bauernhaus im Schwäbischen und verweisen auf unsere jahrelange Erfahrung mit den spezialisierten Zimmerern und Dachdeckern. So werden auch historische Dachflächenfenster auf modernen Stand gebracht und eingesetzt. Manche Dach-
gaube kann bei richtiger Planung auch ohne Blechanschlüsse auskommen, mancher Schornstein darf ruhig mehr als eine Edel-
stahloptik erfahren.
Es geht um die bewußte Zuwendung zum historischen Dach, die versprochene Dauerhaftigkeit im Hochglanzprospekt wird sich nicht bewahrheiten. Und Neuziegel im Antik-Look können auch als Hilflosigkeit angesehen werden ... |
25  |
|
 |
|
... the same procedure: und doch mit vielen Fragen ...
Nichts ist umsonst, das massenhafte Vorhalten von geprüften Zimmertüren zur freien Kundenauswahl mit Beratung und vorgereinigt, trocken und fachgerecht gelagert ... die Fragen sind zumeist die gleichen, die Vorstellungskraft zum fertigen Ergebnis stets gefordert.
Nach Klärung der notwendigen Parameter z.B. DIN links, Falzmaß etc. werden nach Kauf Folgearbeiten durch den Käufer und/oder dessen willigen (?) Handwerker notwendig, um den Vorzustand herzustellen. Selten muss eine Türe komplett abgelaugt werden, die unter dieser Prozedur oft Scha-
den nimmt; es reicht das Abnehmen nicht tragfähiger Schichten für den Folgeanstrich mit dem Vorteil
a) weniger Arbeit, b) ältere Schichtenfolgen belegen weiterhin die individuelle Vita.
Nach Holzergänzungen z.B. Verlängern, Äste ausflicken, abgenudelte Kanten ergänzen, Beschläge abändern, kommt der z.B. 3-fache Neuanstrich mit Leinöl, nach alter Väter Sitte, mit dem Pinsel. Dadurch ist eine Handschrift zu erkennen, Schleiflack-
qualität ist bei historischen Türen fehl am Platze.
Der Rahmen - i.a. Futter und Bekleidung - wird neu angefertigt und vermittelt Toleranz-
maße der historischen Türe in der neuen Öffnung. Futter und Bekleidung sind i.a. einfache Bretter und lohnen eine Bergung nur, wenn sie z.B. geschnitzt sind.
Die Farbwahl darf sich durchaus am Geschmack der Hausherrin orientieren, aber auch an der Epoche, aus der sie stammt - eine bereichernde Vielfalt steht zur Auswahl. Selten waren rein holzsichtige Türen, dies bleibt der bäuerlichen Hütte in den Alpen zugeordnet.
Dieses Standardbeispiel eines Restaurators für gängige Zimmertüren bringt uns mit über-
schaubarem Aufwand eine grundehrliche Lösung ins Haus, der wir täglich zigfach begegnen. |
26  |
|
 |
|
... Drehzapfentüre oder Wendebohlentüre oder ...
Je nach regionaler Bezeichnung kenn-
zeichnet diesen archaischen Typ eines: eine reine Holzkonstruktion ohne (teure) Metall-
beschläge als beweglichen Verschluss einer Öffnung, übrigens ca. 3000 v. Chr. entstanden.
Ihnen muss besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden und der Restaurator traf sogar - wie das obere Foto zeigt - auf eine fragmentarische Farbfassung zum starken Schädigungsbild an: stark abgenutzte Drehzapfen, Spalten zwischen den Brettern, fehlende Holzpartien insbesondere unten und Spuren eines abgegangenen offenen Schlosses.
Im restaurierten Zustand zeigt sich eine voll gebrauchsfähige Türe. Die Spalten wurden geschlossen, Fehlstellen mit Altholz ergänzt mit ausreichender Ablesbarkeit, neues Dreh-
lager aus Eichenholz, anhand der Abdrücke Nachrüstung mit einem Schloß, aus schma-
len Leisten in der Leibung "schalldichte" Anschläge sowie ein reversibles Bürstenprofil als Blickdichtigkeit gegen die Drehbohle und schlußendlich die behutsame Rekonstruk-
tion der Fassungen nach Befund.
Selbstredend sind die Türhöhen niedrig und das Betreten eines Raumes kommt einer bewußten Handlung gleich, nicht "mit der Türe ins Haus fallen" und ein zartes Knarren begleitet trotz der Wachsschmierung den Handlungsvorgang - welch' Gegensatz zu den zisssschenden Schleusen moderner Bürogebäude. |
27  |
|
 |
|
... auf in die Zukunft ...
... die Beteiligten meinten es gut mit diesem großen Scheunentor, dessen Schäden wie üblich im Spritzwasserbereich unten zu Holzergänzungen führte, unübliche Schäden wie einseitige Setzungen und desolate Oberflächen verusachten Handlungsbedarf, hinzu kam das neuzeitliche Ansteigen des Geländes, das das komplette Öffnen des "Bergflügels" nur durch einen klappbaren Wetterschenkel ermöglichte, ...
... insgesamt eine wohldurchdachte, einfache und die Tore erhaltende Maßnahme.
Bei holzsichtigen Oberflächen lassen sich auch Neuhölzer durch die geschickte Hand des Restaurators in die alte Umgebung ein-
binden, die Zeit erzeugt wieder eine Patina und die natürliche Verwitterung wird erlaubt, ohne dass eine komplette, deckende Neulackierung diesen Prozess behindert.
Die ehemalige, recht ausgemagerte Rot-
fassung vergangerner Zeiten bleibt frag-
mentarisch als Dokument erhalten, Pigmente werden an den Untergrund gebunden, partielle Retuschen waren nötig. Nach der Reinigung konnte die Oberfläche flächig geölt werden und das Ergebnis: ein authentisches Scheunentor, das sicher die Baugeschichte nicht revolutionieren wird, aber für passables Geld im richtigen Umfeld richtig Freude macht ... |
28  |
|
 |
|
...Brettlein, Brettlein an der Wand...
"... der ist noch nicht der Schönste im gan-
zen Land ...", denn alle Wandgestaltungen dieser Art sind reine Unikate und werden thematisch immer anders gestaltet.
200jährige Eichenbohlen, Konturschnitt, altersbraune Holztöne ohne künstliche Ergänzung, teilweise gewaltige Dimen-
sionen und Metamorphosen bei Ästen, Rissen etc., das alles ist die Rezeptur für eine eindrucksvolle, oft repräsentative Wand-
gestaltung mit Fernwirkung.
Hier findet die gehobene Gastronomie, das Foyer in Glas und Metall, die Naturstein-
mauer im Kaminzimmer einen wohltuenden Gestaltungspartner, mit Tiefgang und natürlichen Holzinformationen.
Wandbekleidungen in historischer Eiche |
29  |
|
 |
|
... 300 jährige, ehrwürdige Eiche mit Füssen getreten ...
... könnte pressetauglich als Aufschrei durch die Republik tönen - der ehrwürdigen Eiche konnte nichts Besseres passieren, eine drohende thermische Verwertung muntert kalte Füsse auf, aber nur kurzfristig.
Unsere Treppe zeugt mit der krümmlings-
geschnitzten Füllungswange von hoher Treppenbaukunst, der Scalaloge Friedrich Mielke hätte sicherlich seine Freude daran.
Freude macht auch die Ausstrahlungskraft, die wirklich alte Eiche vermittelt. Wir haben noch keinen Restaurator/Künstler getroffen, der diese unvergleichliche Oberfläche künstlich erzeugen konnte. |
30  |
|
 |
|
... morituri te salutant ...
... so martialisch geht's bei uns nicht zu, wenngleich im Besonderen unsere Fenster dem heute amtlich verordneten Energiewahn "todgeweiht" waren.
So verkündet eine damit umgesetzte Fenstervitrine, dezent ausgeleuchtet, dass zumindest hier "der Daumen nach oben ging".
Anhand solcher historischer Standardfenster könnte der heutige Fensterbauer einige Kniffs lernen - wenn er denn wollen würde, wenn man ihn denn ließe ... |
31  |
|
 |
|
... Lichtstele ...
Aufwendig bearbeitetes Lichtobjekt aus einer massiven Eichenbohle auf einer schwarzen Natursteinplatte (42/65 cm).
Hier ist die Stele mit einer Neonröhre elektrisch beleuchtet: ein besonderes Bohrverfahren erlaubt, das Leuchtmittel komplett in ganzer Länge ins Holz einzulassen.
Die Streiflichtwirkung unterstreicht die Holzstruktur, ein weich ausgearbeiteter Profilverlauf modelliert das Licht auf geheimnisvolle Weise ...
Stelenhöhe ca. 198 cm
|
32  |
|
 |
|
... süchtig nach Tadelakt ...
Die Begeisterung nimmt zu diesem wasser-
dichten Spezialputz aus Marokko mit der stumpfen, fantasievollen Oberfläche international zu - kein Wunder, gerade bei Bad und Küche strahlen die Oberflächen eine besondere Wärme aus und sind sehr hautangenehm (Allergiker wissen dies zu schätzen).
Nicht darstellbar ist das ganze gestalte-
rische Füllhorn an Möglichkeiten, die sogar herkömmliche Duschwannen oder Becken ersetzen.
|
|
 |
|
Das Diktat einer Fliese ist abgelöst durch fliesende Formen, weiche Konturen und eine handwerklich-künstlerische Struktur.
So wurde hier aus einem winzigen Bad
(4 m²) durch Tadelakt mit den Leitfarben Gelb/Rot und pfiffigen Details unter Verwendung historischer Materialien eine kleine Erlebniswelt geschaffen. |
|
 |
|
Nach Entfernung der fast 20jährigen Holz-
verkleidung (!) und der Freilegung des origi-
nalen Terrazzobodens wurden die einzelnen Funktionsbereiche farblich differenziert, eine auberginefarbene Säule nimmt die unver-
meidbare Elektrik auf, interessante Steine werden zu Seifenablagen mit filigranen Tadelakthaltern umfunktioniert, die vom Tageslicht abgewandte Dusche wird über seltene Glasbausteine "erhellt", eine Pflanzenwanne setzt einen Blickfang, eine in Putz eingebettete Darstellung von farbigen Steinen, Versteinerungen und Pfeilspitzen bilden eine Metamorphose...
Jede Tadelaktlösung wird zu einem Unikat. Unsere Ausführenden und der Auftraggeber entwickeln ihre individuellen Lösungen gemeinsam, am Ende steht immer das ganz Besondere!
|
33  |
|
 |
|
... Ufo-Landeplatz im Allgäu??? ...
Nein, die Erklärung ist simpel: für einen riesigen Behälter wurde eine frostfeste Abdeckung in Keramik gesucht und bei uns gefunden.
Dicke, hartgebrannte Tonplatten, die ihre Ausseneignung bereits auf einem inzwischen abgerissenen Bauernhof unter Beweis stellten, wo auch schweres landwirtschaft-
liches Gerät darauf herumkurvte, bilden hier eine schöne Symbiose mit weiteren Natursteinen in der Fläche wie auch als archaische Sitzgelegenheiten.
Diese sind der Fläche zugewandt und die Zuschauer auf den "Rängen" können wahlweise heiße Bobby-Car-Rennen oder das Silvesterfeuerwerk geniessen, der Hausherr dreht sicher mal mit seinem Oldtimer Unimog gewisse Ehrenrunden und die Unentwegten wollen anläßlich der im Mayakalender angekündigten Apokalypse auf den Rängen exklusiv ihre Abholung erwarten
... the same procedure as last time ... |
34  |